Startseite > Publikationen > Hildegard Pühn verlässt Therapeutisches Reiten in Bolheim
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Vereinsvorsitzende Hildegard Pühn, die als Gründungsmitglied seit 31 Jahren den Verein für therapeutisches Reiten in Bolheim leitet, wird bei der Hauptversammlung nicht mehr kandidieren.

Vor 20 Jahren ist der Verein für therapeutisches Reiten nach Bolheim in die Stegwiesen gezogen, seit zehn Jahren wird in direkter Nachbarschaft der Stallungen und der Reithalle am Feldweg 6 das Spaßhaus betrieben. Behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene können hier stunden-, tages-, und auch wochenweise an einem auf sie zugeschnittenen Freizeitangebot teilnehmen, bei dem sie von Fachkräften betreut und versorgt werden. Diese „Auszeit“ für den Nachwuchs heißt im Fachjargon „familienentlastender Dienst und ist für Dorothea Strauß gefühlt „schlicht einzigartig.“ Die gelernte Theaterpädagogin managt im Spaßhaus das Jahresprogramm. Ihr zur Seite steht Diana Hertwig. Zusätzlich greifen zwei Studentinnen der Fakultät Sozialwesen an der DH Heidenheim in das Rad des Geschehens, damit das Spaßhaus seinen Namen auch zurecht tragen kann. Zehn Gäste hat man die erste Woche in den Pfingstferien umsorgt, sieben sind es diese Woche. Mit einer Theateraufführung hatte die Schneewittchen-Gruppe an ihrem letzten Tag den völlig überraschten Eltern aufgewartet, bei der jetzigen Froschkönig-Gruppe scheinen für Strauß die Märchen nicht so hoch im Kurs zu stehen.

An thematischen Vorgaben für die Gruppen möchte Strauß dennoch festhalten. „Die Ideen werden reicher, wenn man an einer Geschichte dran bleibt“, hat sie für sich und ihre Schützlinge festgestellt.

„Aufgepeppt“ hat Strauß dieses Jahr die samstäglichen Freizeiten, die unter dem Begriff Karussell einmal im Monat laufen. Behinderte Jugendliche und Erwachsene haben mit Betreuern dieses Jahre bereits eine Disco besucht, sich im Theaterspiel geübt, den 1. FCH in der Voith-Arena gegen Preußen Münster angefeuert (dafür gab’s vom Torwart die Handschuhe) und ein Musical gehört. Für den kommenden Spielevormittag mit Kino liegen 17 Anmeldungen vor. „Rekord“ freut sich Dorothea Strauß, dass ihr neues Programm so guten Anklang findet.

Das vom Verein betrieben und vor zwei Jahren eingeweihte Wohnhaus für behinderte Menschen, das in seiner Art einzigartig im Landkreis ist, hat seit Jahresbeginn eine dritte Bewohnerin. Ein ermutigendes Zeichen auch dies für Vereinsvorsitzende Hildegard Pühn, die als Gründungsmitglied seit 31 Jahren den Verein für therapeutisches Reiten leitet und zumindest nach außen auch personifiziert. Die Tage jetzt sind für Pühn Tage des Abschiednehmens. Wenn am 20. Juni die Hauptversammlung des 472 Mitglieder zählenden Vereins zusammentritt, wird die 76-Jährige nicht mehr kandidieren. Pühn wird sich „komplett“ aus dem Verein zurückziehen, der ihr Herzensangelegenheit und Lebensaufgabe war. „Vielen Menschen hat die Reittherapie geholfen“, weiß Pühn, die wortreich von Schicksalen erzählen kann, die sich, wenn auch nicht alle zum Guten, so doch zum Besseren gewendet haben. Unverändert ist jedoch geblieben, dass die Krankenkassen für die Reittherapie nicht aufkommen. „Das alte Leid“, sagt Pühn, die deswegen über drei Jahrzehnte unermüdlich auch am Spendensammeln war. Seit August letzten Jahres hat der Verein in der Evangelischen Gesellschaft einen Unterstützer gewonnen, der vertraglich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zugesichert hat. Ein Kandidat für die Nachfolge Pühns ist bereits ausgeschaut.